Gestern Nachmittag nahmen tausende Bremerinnen und Bremer unter dem Motto “Bremen zeigt Gesicht” an einer Demonstration durch die Innenstadt teil und machten sich für eine offene, freie und solidarische Gesellschaft stark. Doch wer dieser Tage die Nachrichten verfolgt, kann schnell den Eindruck gewinnen, dass sich unsere Welt mehr und mehr spaltet. In Chemnitz wütet ein rechter Mob und macht Jagd auf Geflüchtete, in den USA warnt Präsident Trump die Bevölkerung mit ernster Miene vor einer drohenden Flüchtlingsinvasion und Antisemitismus scheint in Deutschland neuerdings wieder salonfähig zu sein.


All das zeigt uns vor allem eins: Vorbei sind die Zeiten, in denen wir uns mit dem Gedanken zurücklehnen konnten, dass das alles auch wieder vorbei geht und dass da eine Minderheit versucht, Stimmung zu machen. Eine Minderheit, die doch gegen alle Vernunft immer präsenter zu werden scheint, die sich immer mehr in unser Leben drängt. Auf einmal ist die ganze Bequemlichkeit dahin und wir merken, dass wir selbst gefragt sind, Gesicht zu zeigen und Position zu beziehen. Die Frage ist nicht länger ob wir uns als ‘eher links’ oder ‘eher rechts’ sehen, sondern vielmehr, ob wir für eine offene oder eine geschlossene Gesellschaft stehen. Wie begegne ich meiner eigenen Unzufriedenheit mit einem System? Durch Öffnen des Geistes, durch Neugier, Mitgefühl und Mut oder durch Unwissenheit, Hass und Angst? Neu ist das zwar alles nicht, doch haben wir es nun mit einem weltweiten Phänomen zu tun. Dazu kommt, dass die sozialen Medien die Verhaltensweisen auf noch nie da gewesene Weise verstärken.


Wenn dann also wie gestern Menschen zusammenkommen und für eine offene Gesellschaft eintreten, dann sendet das ein Signal in die richtige Richtung. Denn genau diese Menschen sind es, die für unsere Gesellschaft heute so ungemein wichtig sind. Die uns daran erinnern, dass eine überragende Mehrheit anders denkt. Dass eine überragende Mehrheit für eine offene, freie und solidarische Gesellschaft einsteht.