Bremens IT-Dilemma: Mehr Nachwuchs, weniger Einstiegschancen
04.05.2026Quellen und {Factsheet} Ihr wollt tiefer ins Thema einsteigen? Hier findet ihr eine Übersicht, auf welche Quellen wir für den Artikel zurückgegriffen haben.
Mehr erfahrenSeit 2019 gehört das Bremer Forschungsinstitut ATB zu den Praxispartnern im Dualen Studium Informatik (DSI) und im Dualen Masterprogramm Informatik (DMI). Aktuell sind drei Master-Studierende Teil des Teams. Dazu gehören Enrico Göhrs und Joel Aschmann. Ihr Einstieg ins Unternehmen war unterschiedlich: Enrico hatte bereits das DSI bei ATB absolviert, Joel stieg erst nach dem Bachelor ein.
Ihr im Studium erworbenes Wissen bringen die beiden DMI-Studierenden seitdem regelmäßig in Projekte ihres Praxispartners ein – meist mit überraschend großem Effekt. „In einer meiner Vorlesungen ging es mal um Speicheroptimierung bei Algorithmen. Zwei Tage später wusste ich, warum unsere Software in einem Projekt so langsam lief“, berichtet Enrico mit einem Lächeln. Frische Details aus Kursinhalten liefern plötzlich neue Lösungen.
Wir stellen Fragen, die im Projektalltag nicht mehr auftauchen.
Enrico Göhrs, DMI-Student bei ATB
Ein weiteres konkretes Beispiel stammt aus einem ATB-Robotikprojekt. Hier erkannte Joel sofort, dass ihm sein Wissen aus einem Robotik-Seminar an der Universität Bremen weiterhelfen konnte: Er hatte an der Hochschule gelernt, wie man mit ROS (Robot Operating System) Roboter-Programme erstellt. Im Projekt hatte das Team bislang eine eher klassische Steuerungssoftware eingesetzt, die umständlich zu pflegen war. Joel schlug vor, eine moderne Robotik-Bibliothek einzusetzen, die er aus dem Studium kannte. Innerhalb weniger Wochen integrierte er damit ein autonomes Bildverarbeitungs-Modul, das zuvor als zu aufwendig galt. Ohne dieses studentische Know-how wäre die Innovation in dem Projekt kaum möglich gewesen.
Wer Karriere in der IT machen möchte, ist im Dualen Masterprogramm Informatik (DMI) in Bremen genau richtig. Es bereitet Studierende bestmöglich auf die komplexen Herausforderungen der Arbeitswelt von morgen vor. Denn neben Theorie und Praxis gibt es auch Kurse zu Future Skills – das ist einmalig in Deutschland!
Beispiele wie diese zeigen: Neue Frameworks, spezialisierte KI-Bibliotheken oder effiziente Architekturansätze – was im Studium auf dem Lehrplan steht, bringt Bewegung in eingefahrene Denkstrukturen. „Manchmal stellen wir Fragen, die im ATB-Projektalltag verständlicherweise gar nicht mehr auftauchen“, sagt Enrico. Joel nickt.
Bei ATB stößt dieses Engagement auf offene Ohren. Das Institut sieht in den dualen Studierenden keine Lückenfüller, sondern Brückenbauer – zwischen Forschung und Anwendung, Lehrbuch und Codebasis. Die Teams wissen: Wer aktuelle Vorlesungsthemen einbringen darf, erweitert das Innovationspotenzial. Deshalb begegnen die wissenschaftlichen Mitarbeiter*innen den Fragen der Studierenden nicht mit Widerstand, sondern mit Interesse. Dieser respektvolle Umgang schafft eine Atmosphäre, in der sich Theorie und Praxis gegenseitig beflügeln.
„Man muss sich darauf einlassen, dass die Studierenden aus ganz unterschiedlichen Richtungen kommen“, sagt Ana Correia, wissenschaftliche Mitarbeiterin bei ATB. „Aber wer ihnen zuhört und den Raum gibt, sich auszuprobieren, wird überrascht, wie viel zurückkommt.“ Gerade in komplexen Forschungsprojekten sei der fachliche Austausch mit den Studierenden eine echte Bereicherung. Entscheidend sei dabei, dass man ihnen nicht nur Aufgaben überträgt, sondern ihnen ermöglicht, eigene Ideen einzubringen. „Es geht darum, gemeinsam zu lernen – das ist auch für uns als Team eine Haltung.“
In der Praxis sind leider noch wenige Firmen Partner im Dualen Masterprogramm Informatik. Die Vermutung von Joel und Enrico: „Viele Unternehmen fürchten den Mehraufwand der Betreuung. Und ja, in den ersten Wochen müssen dual Studierende natürlich betreut und eingearbeitet werden. Aber hinterher fließt viel zurück ins Unternehmen.“ Auf diese Weise entstehe eine echte Win-Win-Situation: Die Studierenden erhalten eine hochwertige Ausbildung, und das Unternehmen gewinnt langfristig wissensstarke Nachwuchskräfte, die Innovationen vorantreiben.
Das Wichtigste ist, dass Arbeitgebende ihren Studierenden ausreichend Zeit lassen, die Uni-Kurse zu besuchen und zu lernen.
Joel Aschmann, DMI-Student bei ATB
Damit diese Zusammenarbeit gelingt, brauche es allerdings den richtigen Rahmen. „Das Wichtigste ist, dass Arbeitgebende ihren Studierenden ausreichend Zeit lassen, die Uni-Kurse zu besuchen und zu lernen“, so Joel. Enrico stimmt zu und ergänzt, dass es dual Studierende gibt, die an vertiefenden Uni-Projekten nicht oder nur sporadisch teilnehmen können, weil ihr Praxispartner auf Präsenz im Unternehmen besteht. „Hier bei ATB erleben wir zum Glück eine große Flexibilität. Es wird eigentlich immer eine Lösung gefunden, wenn wir phasenweise mal mehr Zeit für die Uni brauchen.“ Darüber seien sie sehr froh, denn „unser Studium ist eine einmalige Chance. Wir können dort so viel lernen von Menschen, die richtig viel Ahnung haben. Wenn Unternehmen uns Dual Studierenden den Raum geben, dieses Wissen auch ins Team zu tragen, profitieren am Ende alle.“
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