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Digitaler Wandel in Museen: Wie Übersee Museum, Kunsthalle Bremen und das Auswandererhaus Bremerhaven diese Herausforderung meistern

Eine Besucherin ist mit dem Mediaguide im Schaumagazin der Übersee Museums unterwegs. Quelle: Übersee-Museum Bremen, Foto: Volker Beinhorn

Der digitale Wandel betrifft sämtliche Lebensbereiche und stellt auch die Museen vor große Herausforderungen. Dabei geht es weniger um Online-Kataloge, Gratis-Wlan und Instagram – sie sind bereits in den Museen und Kunsthallen angekommen und fast schon eine Selbstverständlichkeit. Nein, es ist der grundlegend neue Umgang mit Information, Bildung und Kultur, und auf diese Veränderung müssen die Museen reagieren.

Das Bremer Übersee Museum hat dafür eine Digitale Strategie entwickelt, in der die "Erweiterung des gesamten Handelns um die digitale Dimension" eindeutig als "Bereicherung" definiert ist. Seit Juni 2018 laufen alle Fäden rund um die Digitale Strategie bei Etta Grotrian zusammen: "Für uns steht im Vordergrund, dass wir die Schätze unseres Museums heben, indem wir unsere Sammlung transparent und die Informationen weltweit zugänglich machen."

Übersee Museum: Digitale Strategie

Aber eine Sammlung, die aus 1,2 Millionen Objekten besteht, lässt sich nicht mal so eben digitalisieren. "Jedes Objekt hat seine Geschichte und seine Herkunft. Und es gibt viele Fragen, die man an ein Objekt richten kann. Das sind natürlich nicht nur unsere Fragen. Wir wollen unsere Sammlung öffnen für neue Perspektiven und Blickwinkel. Dazu müssen wir auch unsere Ordnungssysteme erweitern, damit sich Menschen mit ganz unterschiedlichen Fragen in der digitalen Sammlung zurechtfinden."

Für Grotrian ist es eine große Chance, dass über offene Datenportale weitere Informationen zu den Objekten gesammelt werden können. "Wir können die Biographie eines Objektes um Informationen bereichern, indem wir sie mit verschiedenen Quellen und damit verschiedenen Perspektiven verbinden. So entsteht ein Mehr an Wissen", sagt die Projektleiterin. "Das bedeutet aber auch ein Umdenken in den Museen: Es gibt keine Wissenshoheit, sondern es geht darum, gemeinsam Wissen zusammenzutragen und voneinander zu lernen."

Einen großen Schritt in diese Richtung hat das Übersee Museum schon gemacht, als für die Entwicklung und Umsetzung der Digitalen Strategie eine interne Arbeitsgruppe sowie ein Digitaler Beirat aus externen Experten gegründet wurden. "Wir wollen das Rad nicht immer wieder neu erfinden, sondern von den Erfahrungen anderer profitieren und unsere Erfahrungen teilen", sagt Grotrian.

Deutsches Auswandererhaus: Verbundprojekt "museum4punkt0"

Diesen Anspruch hat auch das Deutsche Auswandererhaus Bremerhaven, das am bundesweiten Verbundprojekt "museum4punkt0" beteiligt ist. "Wir testen, welche Technologien wie zum Beispiel Virtual Reality einen wirklichen Nutzen haben, um Wissen zu vermitteln und neugierig auf das Museum als Erkenntnis- und Erlebnisraum zu machen. Jeder von uns testet fortlaufend Prototypen mit den Besuchern. Die Ergebnisse wie zum Beispiel Quellcodes für Apps, Virtual Reality-Anwendungen oder Leitfäden zur Implementierung der Technik werden anderen Kulturinstitutionen zur Nutzung und Weiterentwicklung zur Verfügung gestellt", sagt Direktorin Dr. Simone Eick.

Das Auswandererhaus beteiligt sich mit mehreren Projekten an "museum4punkt0", unter anderem mit der Studie „Berührt es mich? Virtual Reality und ihre Wirkung auf das Besuchserlebnis in Museen". An der Studie nahmen zwischen August 2018 und April 2019 mehr als 730 Personen teil. Im Mittelpunkt stand die Frage, ob VR helfen kann, kulturhistorisches Wissen und Emotionen zu vermitteln. Die Antwort: Es kommt darauf an. „Wir Museumsmacher müssen genau prüfen, in welchem Kontext VR in unseren Häusern eingesetzt wird. Virtual Reality ersetzt das klassische Museum mit originalen Objekten nicht, ist aber ein geeignetes Medium, um das Besuchserlebnis zu intensivieren“, sagt Eick.

Kunsthalle Bremen: Digitalisierung des Kupferstichkabinetts

Die Kunsthalle Bremen widmet sich bereits seit mehreren Jahren der Digitalisierung. Seinen ersten Online-Katalog mit allen Gemälden und Skulpturen der eigenen Sammlung stellte das Museum bereits 2013 auf seine Homepage. Seit August 2015 läuft ein Projekt zur digitalen Erschließung des gesamten Bestands des Kupferstichkabinetts (mehr als 200.000 Blatt Handzeichnungen und druckgraphische Blätter). Seit Mai 2019 werden die umfangreichen Bestände der französischen und japanischen Druckgraphiken und Zeichnungen digitalisiert. Ziel ist es, in den kommenden drei Jahren digitale Abbildungen und wichtige Angaben zu den rund 18.000 Werken in der Museumsdatenbank und im Online-Katalog zu erfassen.

Seit Januar 2019 können Besucher die Kunsthalle Bremen über Google Arts & Culture auch virtuell besuchen. Damit war die Kunsthalle eines der ersten deutschen Kunstmuseen, das neben Online-Ausstellungen auch VR-Ansichten seiner Museumsräume ermöglicht. 22 Ausstellungsräume sind in 360°-Ansichten in Form des Google Street Views begehbar.

"Die Teilnahme an Google Arts & Culture ist Teil der digitalen Strategie der Kunsthalle Bremen. Das Ziel ist, das Museum und seine Inhalte der Öffentlichkeit unmittelbar zugänglich und auf unterschiedlichste Weise erfahrbar zu machen. Mit Google Arts & Culture öffnen wir das Museum und verschaffen uns eine nationale sowie internationale Sichtbarkeit", sagt Professor Dr. Christoph Grunenberg, Direktor der Kunsthalle Bremen. 2019 zählte die Kunsthalle Bremen rund 130.000 Besucher. Darüber hinaus sichteten auf Google Arts & Culture knapp 100.000 Personen die Werke und Ausstellungen.

Digitale Strategie des Übersee Museums

Deutsches Auswandererhaus Bremerhaven: Museum4punkt0

Kunsthalle Bremen bei Google Arts & Culture

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