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Das vernetzte Auto: IT-Entwicklungen verändern die Automobilbranche

Im Kompetenz- und Transferzentrum des BIBA werden Leuchten für Autos produziert – mit einem Vorgeschmack auf das "Internet der Dinge". // Foto: BIBA

Mit über 45.000 direkten und 40.000 indirekt Beschäftigten ist der Nordwesten einer der größten Automobilstandorte Deutschlands. Knapp 200 Zulieferbetriebe und die Produktionsstätten von Daimler in Bremen und VW in Emden machen den Automotive-Sektor zu einer Kernbranche in der Region. Neben den direkten Herstellern und Zulieferern gibt es Verflechtungen mit anderen Wirtschaftszweigen wie der chemischen Industrie oder der Logistik. Auch IT-Spezialisten werden für die Automobilbranche immer wichtiger. Dabei spielen Themen wie Entwicklung, Integration und Sicherheit der Systeme eine große Rolle. Sie werden die Industrie in den kommenden Jahren stark verändern und für die regional ansässigen Unternehmen noch großes Potenzial bieten.Moderne Sicherheitssysteme, aktive Fahrassistenten und Navigationssysteme sind bereits aus den heutigen Pkws kaum noch wegzudenken. Der Trend zum vernetzten Auto, das immer mehr IT-Kompetenz erfordert, ist ungebrochen und wird künftig die beiden Branchen immer näher zusammenbringen.

"Die Automobilbranche ist ein globales Business", sagt Matthias Brucke, Clustermanager des Verbands Automotive Nordwest e.V. "Ob in der Produktion, Logistik oder Kommunikation - die Menschen der verschiedenen Branchen sitzen überall verteilt. Ohne IT wäre die komplexe Vernetzung und Steuerung dieser Akteure gar nicht möglich." Für den Ausbau der Elektromobilität spielt die IT ebenfalls eine zentrale Rolle bei der Vernetzung von Ladestationen und Fahrzeugen.

Industrie 4.0: Die digitale Fabrik soll bereits die Produktion effizienter machen

Ein zentrales Schlagwort für die Automotive-Industrie ist die "Industrie 4.0". Dabei geht es um den Ansatz, Produktionsabläufe intelligenter, schlanker und individueller zu machen. In der digitalen Fabrik greife die Vernetzung immer mehr vom Menschen auf die Maschinen über, sagt Brucke. Dabei werden sogenannte Cyber-physical Systems eine wichtige Rolle spielen. Die Idee dahinter: Die Cyberkomponenten interagieren mit der realen Welt und liefern beispielsweise wichtige Infos über Standorte, Inhalte oder Lieferdaten von Containern. Gegenstände können dabei auch über Grenzen des jeweiligen Produkts hinweg miteinander kommunizieren – sie vernetzten praktisch alles mit allem.

"Die Daten liefern wichtige Informationen, mit denen Automobilhersteller wesentlich schneller Probleme erkennen und die gesamte Fertigung bereits in der Produktion effizienter gestalten können", sagt Brucke.

Mittlerweile widmen sich viele Forschungsprojekte den Ideen der Fabrik 4.0. So hat das Bremer Institut für Produktion und Logistik (BIBA) beispielsweise ein Kompetenz- und Transferzentrum eingerichtet, in dem die Vorteile der Industrie 4.0 demonstriert werden. Hier werden Rücklichter für Autos in unterschiedlichen Ausführungen gefertigt: Jedes Bauteil ist dabei mit einem Chip ausgerüstet, der den Montagemaschinen mitteilt, welche Farben die Lampen und Blenden haben sollen. Anschließend wird es automatisch zu einer Maschine transportiert, bei der die benötigten Teile vorhanden sind. So können individuell gestaltete Produkte mit den Vorteilen der Massenproduktion gefertigt werden – und zwar möglicherweise erst dann, wenn auch tatsächlich eine Bestellung vorliegt, um nicht für die Müllhalde zu produzieren.

"Wir haben im Nordwesten eine Mischung aus Wissenschaft und Wirtschaft, die gut miteinander vernetzt ist und beste Voraussetzungen für die weitere Entwicklung der digitalen Industrie bietet", sagt Matthias Brucke. "Ob Automobil-, Luftfahrt- oder Raumfahrtindustrie – hier gibt es ein großes Synergiepotenzial der Branchen."

Individualisierung von Fahrzeugen bietet Potenzial für E-Commerce-Firmen

Die Individualisierung von Fahrzeugen schafft auch im Bereich E-Commerce neue Potenziale. Der Sektor gilt als Vorreiter von Produktkonfiguratoren, mit denen sich der Nutzer ein nach seinen speziellen Wünschen ausgerichtetes Produkt interaktiv zusammenstellen kann. Inzwischen bieten alle Hersteller diese Möglichkeit an. Tesla möchte gar komplett auf Zwischenhändler verzichten und den Vertrieb am liebsten vollständig übers Internet abwickeln, was allerdings mancherorts noch auf Widerstände in der Politik stößt, weil Autohändler eine finanzkräftige Lobbygruppe darstellen, besonders in den USA.

Wird es also schon bald keine Autohäuser mehr geben? "E-Commerce muss dem klassischen Einzelhandel nicht widersprechen", sagt Brucke. "Aber vieles passiert auch in der Automobilbranche schon jetzt im Internet und die Entwicklung wird weitergehen. Wenn die Autohäuser überleben wollen, müssen sie sich anpassen."

Automotive-Herbstkonferenz offen für andere Branchen

Wer sich über weitere Trends und Entwicklungen in der Automobilindustrie informieren oder Kontakte in die Branche knüpfen möchte, hat am 4. Dezember die Gelegenheit dazu: Der Verband Automotive Nordwest richtet seine jährliche Herbstkonferenz im Volkswagen Werksforum Emden aus. Das wichtigste Branchentreffen der Automobilwirtschaft für Bremen und Nordwest-Niedersachsen dreht sich in diesem Jahr um das Thema "LNG und alternative Antriebe." Im Zentrum steht dabei die Frage, wie sich die Branche an die zunehmend stärker werdenden Umweltanforderungen anpassen kann und wie sich Mobilität insgesamt weiterentwickeln wird.

Die Herbstkonferenz richtet sich an Vertreter aus Unternehmen, Forschungseinrichtungen, Verwaltung und Politik. Die Veranstaltung findet von 14.30 bis ca. 20 Uhr im Volkswagen Werksforum Emden statt. Um Anmeldungen unter www.automotive-nordwest.de wird gebeten.

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