Einzelmeldung

Auszubildende: Interaktives Lernen löst Berichtsheft ab

Drei Unternehmen testen ab Mai eine neue Onlineplattform, die vom Technologie-Zentrum Informatik und Informationstechnik (TZI) der Universität Bremen und dem Verein Centers of Competence (CoC) mit zwei weiteren Partnern für Auszubildende entwickelt wurde. Zu Beginn des neuen Lehrjahres im August soll "expertAzubi" allen interessierten Unternehmen im Nordwesten angeboten werden.

Die Plattform stellt eine interaktive Alternative zum klassischen Berichtsheft in der Ausbildung dar und wurde mit Förderung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung und des Europäischen Sozialfonds entwickelt.

"Wir haben eine Online-Plattform mithilfe von Web2.0-Technologien entwickelt, auf der Auszubildende ihren Lernerfolg darstellen, sich in der Community gegenseitig bei Aufgaben und Fragen unterstützen und ihre Kompetenzen auch für Unternehmen als potenzielle Arbeitgeber präsentieren können", berichtet Anja Zeising, Mitarbeiterin am Technologie-Zentrum Informatik und Informationstechnik der Universität Bremen.

Empfehlungen wie bei Amazon

Ein zentraler Bestandteil ist das Thema Berichtsheft - ein Problemfall in der Ausbildung, weil viele Lehrlinge es nicht regelmäßig führen. "Die Wochenberichte können Tag für Tag über die Plattform geführt und dann direkt mit dem Ausbilder für Feedback und Unterstützung geteilt werden. So wird sichergestellt, dass am Ende die ausgedruckte Version auch in Ordnung ist", erklärt Zeising.

Zudem kommen die Auszubildenden über die Online-Plattform auch mit Facharbeitern und Berufsschullehrern ins Gespräch. Und es gibt in der Software ein intelligentes Empfehlungssystem (Recommender). "Diese Intelligenz im Hintergrund ist eine echte Alleinstellung von 'expertAzubi'", so Zeising. "Das läuft ähnlich wie etwa bei Amazon. Nach dem Motto: Dieser Bericht eines anderen Auszubildenden könnte Dich interessieren."

"expertAzubi" ermöglicht so ein übergreifendes Lernen, das die klassischen Lernorte wie Betrieb und Berufsschule verbindendet. Die TZI-Arbeitsgruppe Digitale Medien in der Bildung hat die Basiskomponenten und -dienste der Plattform unter Verwendung von Web2.0 Technologien entwickelt. Sie war zudem verantwortlich für die grafische Gestaltung der Benutzungsoberfläche. Das Konzept für beide Bereiche wurde in zehn Workshops mit Lehrlingen und Ausbildern gemeinsam erarbeitet.

Wissenschaftskooperation in der Metropolregion

Der Verein Centers of Competence, ein Branchen übergreifender Verbund von aktuell 43 Unternehmen aus dem Nordwesten, koordinierte das Projekt, hat die Partnerbetriebe akquiriert sowie dort und in den teilnehmenden Berufsschulen den Einsatz und die Implementierung der Lernumgebung organisiert.

Ab Mai testen drei Unternehmen - Nanno Janssen Spedition (Emden), Nietiedt Gruppe (Wilhelmshaven) und M&K ProCon (Leer) - "expertAzubi" auf Herz und Nieren. "Und nach letzten Optimierungen wollen wir die Online-Plattform dann zum neuen Ausbildungsjahr im August 2014 allen Firmen im Nordwesten zur Nutzung anbieten", erklärt Johanna Brons von CoC.

Das Informatikinstitut OFFIS aus Oldenburg erstellte das sogenannte Recommender-System, das zum einen den Auszubildenden auf sie persönlich zugeschnittene Informationen bereitstellt und zum anderen die Kommunikation mit Gleichgesinnten ermöglicht. Das Institut Technik und Bildung (ITB) der Universität Bremen entwickelte die für die Plattform benötigten didaktischen Konzepte.

"expertAzubi zeigt damit auch, wie Wissenschaftskooperation und Technologietransfer in der Metropolregion möglich ist", betonen die Initiatoren.

Weitere Informationen:
www.expertazubi.de

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