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Erfolgreiche Digitalisierung: Mittelständler unterschiedlichster Branchen schaffen den Sprung

Digitale Technologien werden mittlerweile auch in ländlichen Regionen und traditionellen Branchen zum unerlässlichen Erfolgsfaktor. Foto: chaiyapruek2520/iStock

Die Digitalisierung bringt mittlerweile in jeder Branche neue Gewinner hervor. Dass dies kein leeres Klischee ist, beweisen immer mehr kleine und mittlere Unternehmen aus dem Nordwesten. So hat die Peter Kenkel GmbH, eine Möbelbaufirma aus Cappeln, sich beispielsweise durch die Integration von Büromöbeln und digitaler Technik ein ganz neues Geschäftsfeld geschaffen. Die Seghorn AG aus Bremen setzt unterdessen auf die digitale Vernetzung, um die Kreativität ihrer Mitarbeiter stärker zu nutzen und ihr Leistungsspektrum deutlich zu erweitern. Beide Unternehmen stellten ihre Erfolgsmodelle kurz vor Weihnachten beim "Treffpunkt Metropolregion" in Bremen vor.

Eine eigene Nische besetzen: Intelligente Möbel

Bei der Peter Kenkel GmbH startete die Digitalisierung aus dem Wunsch heraus, sich gegen die Konkurrenz durch größere Unternehmen zu wappnen. Das Unternehmen aus dem Oldenburger Münsterland sah sich im Markt für Büromöbel vor rund zehn Jahren einem mächtigen Wettbewerb ausgesetzt: "Wir haben uns überlegt, dass wir aus dem Fahrwasser der großen Schiffe herausmüssen", erinnerte sich Inhaber Peter Kenkel.

Zunächst begann er, elektrische Geräte wie Kaffeemaschinen oder Kühlschränke direkt in die Möbel zu integrieren. "Ich wurde damals ausgelacht", berichtete Kenkel. "Mir wurde gesagt, man braucht keine Kaffeemaschine im Büro. Aber der Mut hat sich ausgezahlt. Und 2012 oder 2013 haben wir gemerkt, dass wir unwissentlich auf den Zug der Digitalisierung aufgesprungen sind."  

Mittlerweile bietet das Unternehmen Möbel an, die sich sowohl vom Design als auch von der Technik her auf anspruchsvollem Niveau bewegen. Hardware und Software sind direkt in die Büroumwelt integriert, beispielsweise beim "Neo". Dabei handelt es sich um einen kleinen Rollwagen, der einen kompletten Satz an Präsentationstechnik enthält und nur 60 cm Abstand zur Wand benötigt, um mit dem Beamer ein passables Bild zu produzieren. Spezielle Multimedia-Stelen können unterdessen flexibel im Empfang, im Besprechungsraum oder auf der Messe eingesetzt werden. Kunden nutzen die Möbel für so unterschiedliche Bereiche wie die Mitarbeiterkommunikation, das Besucherleitsystem oder das Marketing.

"Den Formen der Möbel sind dabei keine Grenzen gesetzt", so Kenkel. Auch bei den Werkstoffen wird eine große Auswahl angeboten: "Holz, Metall, Glas – wir nehmen alles, was der Kunde wünscht", betont er. Interaktive Folie kommt ebenfalls bereits zum Einsatz. Eine wichtige Rolle spielt bei den Neuentwicklungen oft die Kooperation mit Partnerunternehmen – darunter Samsung als großer Konzern, aber auch kleinere Firmen, mit denen beispielsweise Prototypen entwickelt werden.

Mit Daten die Wertschöpfungskette erweitern

Der Weg zur erfolgreichen Digitalisierung führte auch für die Seghorn AG über Kooperationen mit neuen Partnern. Der zentrale Fokus liegt allerdings auf den eigenen Mitarbeitern, die als "Mitdenker" gewonnen werden sollen, wie Vorstand Guido Zerreßen erklärte.

Die Digitalisierung beinhaltet für Seghorn vier Faktoren: die Technologie und Methodik, die Verbindung der physischen Welt – z. B. Smartphone – und der digitalen Welt
– z. B. Apps, den Aufbau von Kooperationen zur Erweiterung der Wertschöpfungskette sowie "den Menschen im Unternehmen". Ziel sei die Entwicklung eines "intelligenten Ökosystems", das nicht mehr produkt-, sondern nutzerzentriert ist.

Der Unternehmensleitung ging es – ebenso wie Peter Kenkel – um eine Verbesserung der Wettbewerbsposition. Also machte man sich Gedanken: "Was will der Markt von Inkassounternehmen?", so Zerreßen. "Dabei haben wir festgestellt, dass wir nicht nur klassisches Inkasso anbieten möchten, sondern den Blick schon weiter vorne auf die Wertschöpfungskette richten wollen."

Durch die neuen Möglichkeiten der digitalen Vernetzung sei es möglich geworden, das Leistungsspektrum deutlich zu erweitern – vor allem um die Bereiche Rechtsdienstleistungen und Auftragsdatenverarbeitung. Für das 40 Jahre alte Familienunternehmen mit rund 200 Mitarbeitern sei dies ein Paradigmenwechsel gewesen, so Zerreßen.

"Das Wissen über das Kundenverhalten und die Kundendaten entscheidet über den wirtschaftlichen Erfolg", betonte Zerreßen. Aufgrund des intensiven Kundenkontakts verfüge Seghorn über große Mengen an Informationen über deren Wünsche und Verhalten. Deshalb sei ein eigener Stab aufgebaut worden, der sich mit der Entwicklung von Algorithmen für die Auswertung beschäftigt.

Unterstützungsangebote für Unternehmen

Bremer Unternehmen, die ihre Aktivitäten im Bereich der Digitalisierung ebenfalls ausbauen möchten, können dabei verschiedene Angebote des Landes in Anspruch nehmen, darunter Finanzierungsmöglichkeiten, Innovationswerkstätten und Beratungsförderung. Weitere Informationen gibt es unter www.digitalisierung-bremen.de.

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